Simone Kesting

In meiner Arbeit erforsche ich die Spannungsverhältnisse zwischen immateriellen Zuständen und körperlicher Präsenz. Zu Beginn steht eine narrative, zeichnerische Auseinandersetzung mit erlebten Situationen, Erinnerungen und Kommunikationsprozessen: Ich nähere mich zeichnerisch dem Übergang, in dem eine Situation sich verändert, ein Zustand in einen anderen wechselt. Hier greife ich ein, umkreise den Moment und zwinge ihn in eine Form.
In meinen Zeichnungen ziehe ich die Körperlichkeit bisweilen wie eine Folie ab, um die darunter liegenden Dynamiken und fragilen Konstrukte freizulegen und auf Bewegungen, Richtungen, Berührungen zu reduzieren. Diese Flüchtigkeiten werden im Material fixiert, eingeritzt, eingebrannt und eingegossen. Schließlich verhelfe ich ihnen zum Wechsel in einen festen Aggregatzustand, bringe sie in den Raum, verleihe ihnen eine körperliche Präsenz. Sie werden materiell erfahrbar, bleiben durch ihre Oberflächenbehandlung jedoch von einem fließenden Charakter geprägt.

Meine Arbeiten treten in Kontakt mit dem Betrachter, bleiben dabei jedoch ambivalent. Sie changieren, schützen ihren inneren Kern, entziehen sich und wollen meine Wahrnehmung zu täuschen. Sie sind eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Grenze zwischen dem Inneren und dem Äußeren, zwischen dem Greifbaren und dem Flüchtigen, zwischen Nähe und Distanz. Sie stellen den Versuch dar, diese Grenze aufzulösen, Berührbarkeit zu evozieren und gleichzeitig die Ambiguität von Material und Form zu bewahren.

Simone Kesting studierte Zeichnen und Fotografie in Hamburg und Italien und schloss ihr Studium 2019 mit dem Master of Arts ab. Sie war Jahresstipendiatin der Claussen-Simon-Stiftung sowie der Deutschen Bank und erhielt Förderungen u.a. durch die Stiftung Kunstfonds, die Hamburgische Kulturstiftung und die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.

Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, darunter im Kunsthaus Hamburg, im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, im Museum Behnhaus Drägerhaus, Lübeck sowie in der Kunsthal Aarhus (DK). Weitere Ausstellungsbeteiligungen fanden u.a. in den USA, Japan und Italien statt.

Zeichenserien von Simone Kesting wurden in verschiedenen kunsttheoretischen und künstlerischen Publikationen veröffentlicht (z.B. Visuelle Assoziationen. Bildkonstellationen und Denkbewegungen in Kunst, Philosophie und Wissenschaft. Textem Verlag; Ambige Verhältnisse

Uneindeutigkeit in Kunst, Politik und Alltag. Transcript Verlag)

Sie arbeitet als freie Zeichnerin und Bildhauerin, ist zudem als Kostümbildnerin an Theaterprojekten beteiligt und gibt regelmäßig Workshops (z.B. Hamburger Kunsthalle, Deichtorhallen Hamburg, Kunsthal Aarhus, DFI Hamburg) und war als Mitbegründerin und Kuratorin der Hamburger Off Galerie Ladøns tätig (2020-2024).