Sichtung einer Sache


Ausstellungsdauer:

19.03.2026 – 18.04.2026

Künstler*innen:

Die Serie Amity Parts von Simone Kessler besteht aus grauen Zellulosefaser-Platten, die mit Eisenpartikeln überzogen sind. In ihrem prozessorientierten Ansatz lässt Kessler den Materialien Raum und Zeit für Trocknung, Verdichtung, Rissbildung und Oxidation. Einige Risse durchbrechen die frisch entstandene rote Rostschicht, legen das darunterliegende graue Trägermaterial und die Kräfte, die auf es wirken, frei. Aus diesen Transformationen entstehen reliefartige, fast tektonische Oberflächen, in denen Verdichtung und Verschiebung zerborstene und zugleich kraftvolle Gefüge bilden. Die Arbeiten erinnern an geologische Schichtungen, die sich entlang der Wand ausbreiten – ein sinnliches Zusammenspiel von Farbe, Material und Zeit, das im Prozess gewachsen ist.

Geätzte Zinkplatten, deren Oberfläche durch Einritzungen und Abtragungen verletzt wird, bilden die Grundlage dieser Serie von Simone Kesting. In diesen Prozessen entstehen Formen, die an organische Gefüge erinnern – an Flechten, Gesteinsschichten oder wachsende Gewebe. Die Strukturen wirken porös, instabil und zugleich verdichtet. Schwarze Linien verbinden die Fragmente zu losen Netzwerken, die Halt stiften, ohne Stabilität vollständig zu sichern.

Die symmetrische Lederarbeit von Simone Karl greift das Prinzip des Rorschachtests auf: Durch Spiegelung entsteht ein offenes Bild zwischen Projektion und Deutung. Die Piercings durchstoßen das Leder und halten es zugleich zusammen – als gleichzeitiger Akt von Verletzung und Stabilisierung.