Promise
Mit dem Künstler Martin Scholten feiern wir den Umzug der Galerie in die Admiralitätstraße 71 am 21.05 um 18 Uhr!
Wie kann einen etwas so begeistern wie eine Linie? Dass ein Mensch jahrzehntelang sich diesem einem Thema widmet. Unvorstellbar. Aber vielleicht ist es genau das, was die Magie oder Superpower der Kunst ist: einen Fokus setzen. Sich auf genau eine Sache konzentrieren. Das, was wir im Hier und Heute ziemlich gut verlernt haben. Und jetzt künstlich im Alltag inszenieren müssen, um zur Ruhe zu kommen, um wieder zu lernen, einfach sein zu dürfen.
Die Line als Beweisstück der Kontinuität
. Die Linie als biografischer Verlauf
die Linie als Brücke und Weg
.
Sie ist allgegenwärtig auf Landkarten, Zugstrecken oder dem Schleim der Schnecke,
sie schiebt sich vorwärts oder bleibt zurück als Spur von Gewesenem
ob urban oder in der Natur
vom Menschen gemacht oder vom Zufall ergeben.
Martin Scholten zieht umgedrehte Farbbehälter über die Leinwand. Die Linie entspricht der Breite des Flaschenhalses.
Nicht wild rumklecksend, sondern langsam und bewusst schiebt sich die Farbe ihren Weg.
Es gibt Kreuzungen, Abbrüche und Verdichtung.
Das Auge wandert, folgt, stoppt und setzt neu an. Ob wir uns verloren fühlen in dem Ganzen?
Oder wohlig aufgehoben, aufgefangen im Netzt, das uns trägt, werden wir herausfinden.
Der silbrige Grund versetzt uns ins All oder sagen wir in einen schwebenden Zustand, wo Dinge wieder eine neue Gewichtung bekommen. Es ist nicht kühl. Es glänzt. Es ist eine Energie zu spüren, die sicherlich den Moment des Erschaffens widerspiegelt. Die Polyperspektivität deutet keine Größenverhältnisse an. Ob der Betrachter jetzt davor, dahinter oder mittendrin steht, bleibt offen und auch, ob er winzig klein und unbedeutend oder groß und mächtig ist.
Lucia Kaufmann
