Sichtung einer Sache
Die Serie Amity Parts von Simone Kessler besteht aus grauen Zellulosefaser-Platten, die mit Eisenpartikeln überzogen sind. In ihrem prozessorientierten Ansatz lässt Kessler den Materialien Raum und Zeit für Trocknung, Verdichtung, Rissbildung und Oxidation. Einige Risse durchbrechen die frisch entstandene rote Rostschicht, legen das darunterliegende graue Trägermaterial und die Kräfte, die auf es wirken, frei. Aus diesen Transformationen entstehen reliefartige, fast tektonische Oberflächen, in denen Verdichtung und Verschiebung zerborstene und zugleich kraftvolle Gefüge bilden. Die Arbeiten erinnern an geologische Schichtungen, die sich entlang der Wand ausbreiten – ein sinnliches Zusammenspiel von Farbe, Material und Zeit, das im Prozess gewachsen ist.
Geätzte Zinkplatten, deren Oberfläche durch Einritzungen und Abtragungen verletzt wird, bilden die Grundlage dieser Serie von Simone Kesting. In diesen Prozessen entstehen Formen, die an organische Gefüge erinnern – an Flechten, Gesteinsschichten oder wachsende Gewebe. Die Strukturen wirken porös, instabil und zugleich verdichtet. Schwarze Linien verbinden die Fragmente zu losen Netzwerken, die Halt stiften, ohne Stabilität vollständig zu sichern.
Bei Simone Karls Serie Rorschachtest breitet sich der Träger auf der Wand aus und wirft schemenhafte Schatten dahinter. Jede Form ist gespiegelt und behutsam herausgeschnitten und mit Hilfe von Edelstahlpiercings wiederverbunden. So entsteht eine Form zwischen Projektion und Deutung, die so intim wie geheimnisvoll verführerisch oder auch roh und verletzlich sein kann. Die Psyche des Menschen in ihrer Undurchdringbarkeit erhält hier etwas Spielerisches und Fantasievolles, das zugleich seine Gefahren birgt. Die Arbeit Hypnose erscheint dazu als Abdruck: ein schattenhaftes Negativ der Form, eine Spur dessen, was körperlich anwesend war und sich neu entfaltet. Auch in den Arbeiten Wirbel und blühend verdichten sich Elemente von Kontrolle, Durchdringung und Ornament zu Körperformen, in denen Abwehr und Anziehung, Schutz und Gefahr gleichzeitig präsent bleiben. In ihren räumlichen Arbeiten aus Materialien wie Leder, Stahl oder Aluminium untersucht Simone Karl so die Widerständigkeit verletzlicher Körper und die Fähigkeit, scheinbar gegensätzliche Zustände in einer einzigen Form auszuhalten.
